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Jean Todt im Interview zu seinem Rücktritt PDF Drucken E-Mail
Samstag, 22. März 2008
 

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Beitragsinhalt
Jean Todt im Interview zu seinem Rücktritt
Seite 2
Seite 3

Jean Todt erklärt, dass sein Rücktritt von langer Hand geplant war und spricht über seine Motive und Höhen und Tiefen einer bewegten Karriere.

Frage: "Jean, wie ist es, zum ersten Mal nach 15 Jahren nicht als Teamchef, sondern als Zuschauer an eine Rennstrecke zu kommen?"

Jean Todt: "Ich habe in meinem Leben schon viele Veränderungen durchgemacht. Mein Leben besteht bisher aus vier Kapiteln. Sehr bald werde ich das fünfte beginnen. Das dritte Kapitel war mein Studium. Ich habe den Rennsport und Autos von Anfang an geliebt. Als ich die Universität verlassen habe, war ich Beifahrer (in der Rallye-WM; Anm. d. Red.), und ich bin für die besten Teams der Geschichte gefahren."

"Dann wurde ich Rennleiter bei Peugeot. Wir waren in der Rallye-WM erfolgreich. Dann sind wir Langstreckenrallyes gefahren, Paris-Dakar. Wir haben sie alle gewonnen. Dann stiegen wir in den Sportwagensport ein. Das waren zwölf Jahre meines Lebens. Als ich bei den Sportwagen ausgestiegen bin, haben wir Le Mans gewonnen."

"Dann wurde ich von Ferrari engagiert. Das war immer mein Traum, denn Ferrari ist ein traumhaftes Unternehmen, das traumhafte Autos baut. Diese Verantwortung trug ich 13 Jahre lang, ehe ich erst Managing-Director und dann Geschäftsführer wurde. Mein Plan war vor vier Jahren schon, ab März 2008 nur noch im Vorstand tätig zu sein und kürzer zu treten. Es ist nicht mein Stil, im Vorhinein, währenddessen oder im Nachhinein große Bekanntgaben zu machen, sondern ich behalte so etwas für mich."

"Die Formel 1 war eine fantastische Zeit in meinem Leben und ich schätze mich deswegen als sehr privilegiert. Ich habe großartige Menschen kennen gelernt. Seit Mittwoch vergangener Woche bin ich Mitglied des Vorstands. Ich bin offizieller Berater von Präsident Luca di Montezemolo, dessen Amtszeit als Präsident der Confindustria (italienische Industriellenvereinigung; Anm. d. Red.) endet. Er wird also mehr Zeit haben, um öfter nach Maranello zu kommen. Ich werde ihn und das Team noch eine Zeit lang unterstützen, nämlich für ein bis drei Jahre."

"Danach werde ich die Hälfte meiner Zeit für mich haben. Das hat es in den vergangenen 25 Jahren nie gegeben. In den vergangenen 25 Jahren habe ich nicht einen einzigen Arbeitstag gefehlt. Mit meiner Freizeit werde ich ein neues Kapitel aufschlagen, professionell wie auch privat. Das ist fantastisch."

Frage: "Als Michael Schumacher nach seinem Rücktritt in Barcelona erstmals wieder in der Ferrari-Garage war, hat er gesagt, dass das ein sehr intensives Gefühl war. Ging es dir selbst heute ähnlich?"

Todt: "Ich möchte nicht für Missverständnisse sorgen. Dass ich nach dem Rennen in Australien hierher komme, könnte falsch verstanden werden. Das will ich nicht und ich werde alles unternehmen, damit es nicht dazu kommt. Ich habe mich sehr darüber gefreut, die Jungs wieder zu sehen, zu sehen, wie sie arbeiten. Ich bin sehr optimistisch für die Saison 2008, denn die Jungs haben wirklich großartige Arbeit geleistet. Was in Australien passiert ist, kann vorkommen, aber hoffen wir, dass es bei diesem einen Mal bleibt. Wir haben ein sehr gutes Paket und ich bin schon sehr gespannt auf das Rennen morgen. Ich drücke dem Team die Daumen."

Frage: "Du hast einmal gesagt, dass eine solche Veränderung in deinem Leben nicht deine Entscheidung sein könnte, sondern die eines anderen. War es deine eigene Entscheidung?"

Todt: "Das ist Unsinn. Das gehört zum Business dazu. Es kursiert so viel Unsinn. Zum Beispiel, dass ich Toro Rosso kaufen will. Gerhard Berger ist ein guter Freund, aber darüber haben wir nie gesprochen. Ich habe gehört, dass ich in Bahrain als Teameigentümer vorgestellt werden soll. Unsinn!"

"Ich bin jetzt Mitglied des Vorstands und Berater des Präsidenten. Angeblich haben wir kein gutes Verhältnis zueinander. Aber warum sollten wir das nach 15 so erfolgreichen Jahren nicht haben? Es wäre doch traurig, wenn es nicht so wäre. Wir leben in einer Welt, in der die Menschen die komplizierten Dinge lieber haben als die einfachen. Das müssen wir akzeptieren. Mir gefällt das nicht."

"Um die Frage zu beantworten: Es ist meine Entscheidung. Vor zehn Jahren hätte ich sie noch nicht treffen können, denn damals wäre mein Leben und das der Menschen um mich herum noch nicht abgesichert gewesen. Aber jetzt kann ich sagen, dass der Zeitpunkt richtig ist. Vor vier Jahren habe ich mit Luca di Montezemolo beschlossen, dass ich meine Arbeit für Ferrari zu einem bestimmten Zeitpunkt beenden werde. Wenn es endgültig soweit ist, werde ich mehr Zeit für mich haben. Wenn einem eine Firma gehört, muss man sich voll dafür aufopfern. Aber vielleicht ist es mein Vorteil, dass ich nicht Eigentümer bin, weil ich so mehr Freiheiten habe."

Frage: "Du bist noch ein junger Mann und hast noch viel zu geben. Wärst du dazu bereit, in einer anderen Funktion für die FIA zu arbeiten?"

Todt: "Ich habe das gehört und weiß, dass ich es noch viele, viele Monate hören werde. Erstens: Ich bin leider nicht mehr so jung. Ich bin 62. Motiviert, ja, aber jung bin ich nicht mehr. Zum Thema FIA: Max Mosley ist ein großartiger Präsident. Ich weiß, dass er kontrovers betrachtet wird, aber in meinen Augen hat er Außergewöhnliches für den Sport geleistet. Und er ist ein Freund, jemand, den ich sehr respektiere. Er ist hingebungsvoll in seinem Job und zuverlässig und ich hoffe wirklich, dass er dem Sport noch viele, viele Jahre erhalten bleiben wird."



   

Schlüsselworte : Todt, Ferrari


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